Vorkonfektionierte Kabel ab EPLAN 2025 – unscheinbare Neuerung oder enorme (Aus)Wirkung?
Ein Großteil der Arbeit in EPLAN konzentriert sich auf zwei Kernbereiche:
Anschlüsse (Klemmen, Stecker, Geräteanschlüsse) und Verbindungen (Kabel, Drähte). Genau hier entscheidet sich, ob Engineering effizient und sauber abläuft – oder ob tägliches Herumfummeln, Workarounds und steigende Komplexität den EPLAN-Alltag prägen.
Diese Erfahrung teilen alle, die ihren Schaltplan als digitalen Zwilling ihrer Maschine oder Anlage verstehen – nicht als notwendiges Übel einer Dokumentation, die man „irgendwie mitliefern muss“. Es geht um diejenigen, die EPLAN als Engineering-Tool begreifen – und nicht als Nachdokumentationswerkzeug.
Wer zu dieser Gruppe gehört, kennt den Anspruch:
Ein Standard-Prüflauf (gerne mit einigen individuellen Anpassungen) sollte jederzeit, in jedem EPLAN Projekt, fehlerfrei durchlaufen.
Wenn ein Prüflauf mit hunderten Meldungen abbricht, ist das in der Regel kein technisches EPLAN-Problem, sondern ein strukturelles.
Alle anderen, die EPLAN vor allem zum Zeichnen nutzen, nicht zum Denken in Strukturen, können an dieser Stelle eigentlich aufhören zu lesen – und ihre Zeit mit etwas „anderem“ verbringen 😉.
Das vermeintlich einfache Kabel
An sich ist ein vorkonfektioniertes Kabel ja eine einfache Sache.

Man geht in den Elektronikladen seines Vertrauens, braucht ein Kabel, um PC und Switch zu verbinden. Der Verkäufer reicht ein Netzwerkkabel mit zwei RJ45-Steckern, kassiert ein paar Münzen – fertig.
Glückwunsch – man hat gerade ein „vorkonfektioniertes Kabel“ erworben.
Einfach, oder? Ende der Geschichte.
Oder doch nicht?
Wo das Missverständnis beginnt
Warum also einen ganzen Artikel, oder sogar eine kleine Artikelreihe, zu etwas schreiben, das jeder schon zigmal in der Hand hatte und das auf den ersten Blick so einfach wirkt?
Nun, genau hier beginnt die Herausforderung.
Denn die eigentliche Frage lautet:
„Was versteht EPLAN – oder was versteht man selbst im ECAD-Engineering – eigentlich wirklich unter einem vorkonfektionierten Kabel?“
Ist ein vorkonfektioniertes Kabel nur etwas, das man extern einkauft – fix und fertig, wie das RJ45-Netzwerkkabel im Beispiel oben?
Oder zählt auch die Leitung dazu, die im eigenen Unternehmen vormontiert werden kann – etwa in einer Fertigungs- oder Montageabteilung, bevor sie später im Projekt eingesetzt wird?


Gleiches Kabel – gleicher Umgang in EPLAN?
Spätestens wenn man auf Seite 1 eines EPLAN-Projekts ein fertig gekauftes Kabel dokumentiert – und zwei Seiten später eine ähnliche Verbindung, die intern gefertigt wird – merkt man: „Einfach gleich“ ist hier gar nichts.
Kann man diese beiden Kabelverbindungen – die eine fertig gekauft, die andere selbst gefertigt – in EPLAN überhaupt gleich abbilden und gleich behandeln?
Was bedeutet das für die grafische und logische Darstellung in EPLAN? Welche Auswirkungen haben die selben oder unterschiedlichen Sichtweisen auf Materialbeschaffung, Stücklisten, Montage- und Fertigungsunterlagen in den eigenen Prozessen?
Kann man beide Fälle im System einheitlich behandeln, oder „zwingt“ EPLAN hier zu einer Fallunterscheidung im Engineering?
Und falls man die Fälle in EPLAN unterschiedlich behandeln muss, was bedeutet das für die eigene Standardisierung im Unternehmen? Für die Varianz und das Komplexitätsmanagement der Engineering-Objekte – also für Makros, Artikeldaten, Vorlagen usw.?
Wenn aus einer Frage plötzlich viele werden
Und während man darüber nachdenkt, was das für diese beiden Kabelverbindungen in EPLAN bedeutet, tauchen plötzlich neue Fragen auf.
Wie geht man eigentlich mit „ähnlichen“ Fällen um?
Zum Beispiel mit einer Leitung, die auf der einen Seite fest an einen Sensor angeschlossen ist und auf der anderen einen Stecker besitzt – ist das nicht auch eine Art „vorkonfektionierte Verbindung“? Aber warte mal, hier ist der Sensor „im Vordergrund“ und nicht die Leitung oder?


Oder eine andere Variante, bei der Sensor und Kabel bereits (untrennbar) zusammengebaut geliefert werden, der Stecker aber noch selbst montiert werden muss, weil die Leitung ein offenes Ende hat?
Was bedeutet das für die Kabelverbindungen (und vor allem für die Gerätemakros in EPLAN) wenn die Stecker mal mit vorkonfektioniertem Kabel geliefert werden und mal in dem Lieferumfang des Geräts sind und die Kabel selber gefertigt werden sollen?

Wie geht man also künftig (in diesem Fall ab der EPLAN Version 2025) im eigenen Unternehmensstandard und dem eigenen digitalen Zwilling mit all diesen (ähnlichen, gleichen oder doch unterschiedlichen) Dingen um? Was bedeutet das für die Strukturierung, Standardisierung und für die Automatisierung der eigenen Schaltpläne in EPLAN?
Der Blick nach vorn
Eines ist schon jetzt sicher:
Gemäß dem EPLAN Data Standard 2025 müssen alle „vorkonfektionierten Kabelverbindungen“ – also auch das einfache RJ45-Netzwerkkabel-Beispiel oben – im EPLAN Data Portal als Modul abgebildet werden.
Und das bedeutet: Sie müssen im Engineering mit EPLAN auf eine ganz bestimmte Art und Weise behandelt werden.
Aber was heißt das konkret?
Muss man die eigenen Standards jetzt an die Modul-Systematik des EDPs anpassen? Oder hat man am Ende zwei Welten – den Standard aus dem EPLAN Data Portal und den eigenen? Und wo genau und wie zieht man da die Grenze?
Spätestens an dieser Stelle blickt man gedanklich auf seine EPLAN-Projekte und eigene Standards und Vorlagen die man sich geschaffen hat, kratzt sich am Kopf – und fragt sich leise:
„Wie tief kann so ein Thema eigentlich noch gehen? Und was bedeutet das für eine durchgängige Standardisierung und den digitalen Zwilling in meinem Unternehmen?“
Fazit – und was als Nächstes kommt
Letztlich geht es plötzlich um mehr als nur um eine neue Funktion. Es geht um Strukturen, Standards und Strategien, die festlegen, wie künftig „solche Verbindungen“ in EPLAN gedacht, aufgebaut und gepflegt werden.
Denn genau darin liegt der Unterschied zwischen einem EPLAN-Projekt, das als digitaler Zwilling funktioniert – und einem, das nur etwas grafisch dokumentiert.
Als Unternehmen, das beide Ebenen miteinander verbindet – die automatisierte, hochwertige Datenerstellung nach dem EPLAN Data Standard (EDS) für das EPLAN Data Portal und die Beratung zur Standardisierung sowie zum Aufbau modularer ECAD-Baukästen – beschäftigen wir uns intensiv mit diesen Themen und bringen viel Erfahrung in deren praktische Umsetzung ein.
Kleiner Spoiler
Wir begrüßen die Entwicklung, die hinter der Überschrift Vorkonfektionierte Kabel ab EPLAN 2025 noch stärker in Richtung digitaler Zwilling geht – durch die präzisere Beschreibung von Daten, Strukturen und Logik. Auch wenn dieser Schritt noch gravierende Konsequenzen mit sich bringt – sowohl auf Seiten von EPLAN als Softwarehersteller als auch auf Seiten der Anwender – ist er aus unserer Sicht notwendig, um das Engineering nachhaltig zu digitalisieren.
Doch bevor man konkret über Module, Makros oder Artikeldaten in EPLAN entscheidet, sollte man sich eine grundlegendere Frage stellen:
Wie sieht eigentlich die Basis aus, auf der man ein Thema wie „vorkonfektionierte Kabel“ (und die tatsächlichen Herausforderungen dahinter) im Unternehmen sauber und skalierbar aufbauen kann?
In der nächsten Folge schauen wir uns deshalb die DIN EN 81346 genauer an – insbesondere,
- was die Norm im Bereich des Produktaspekts aussagt,
- und wie sich daraus eine tragfähige Architektur für die eigene Standardisierung im ECAD-Umfeld ableiten lässt.
So wird klar, wie man das Thema „vorkonfektionierte Kabel“ nicht nur technisch korrekt, sondern auch normgerecht und zukunftssicher in EPLAN umsetzt.
Bleib dran – das Kabelthema hat noch mehr Spannung, als man denkt. ⚡️
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