In vielen ECAD-Teams kennt man die Situation: Ein Bauteil hat in der Beschaffung genau eine Bestellnummer, besteht aber im Engineering aus mehreren notwendigen Funktionsbausteinen.

Für EPLAN ist diese Mehrteiligkeit sinnvoll und sogar erforderlich, für die Warenwirtschaft hingegen vollkommen irrelevant. Man arbeitet deshalb mit sogenannten Dummy-Artikeln, um die EPLAN-Funktionalitäten wie Platzierung, mechanische Ableitungen oder Regelprüfungen sicherzustellen, ohne die Einkaufsprozesse zu beeinträchtigen.

Mit EPLAN Version 2025 findet man nun eine Funktion, die primär im Kontext vorkonfektionierter Kabel eingeführt wurde, aber „nebenbei“ ein altes methodisches Problem entschärft. Genau hier liegt ein interessanter Paradigmenwechsel im Datenmodell, der nicht nur vorkonfektionierte Kabel in EPLAN-Modulen betrifft, sondern auch etablierte Engineering-Konstrukte aus der Vergangenheit positiv beeinflusst.

Der folgende Beitrag ordnet die Neuerung systematisch ein, zeigt den methodischen Nutzen und skizziert, wie man damit konsistente EPLAN-Datenmodelle gestalten kann.

Erweiterte Artikelbehandlung ab EPLAN 2025

Mit EPLAN 2025 stehen für vorkonfektionierte Kabel neue Strukturen bereit, welche eine präzisere Abbildung bestimmter Verbindungen ermöglichen (du kannst hierzu auch unsere Weblogreihe hier verfolgen).

Im Zuge dieser Erweiterungen hat EPLAN eine neue Eigenschaft eingeführt, die auf alle Artikel angewendet werden kann:

„In Stückliste unterdrücken <22886>“

Die offizielle Funktionsbeschreibung in der EPLAN-Hilfe ist klar:

Aktiviert man diese Eigenschaft, wird der entsprechende Artikel im Projekt nicht in Navigationsstrukturen, nicht in Auswertungen und nicht in Fertigungsdaten ausgegeben. Der Artikel kann dennoch fester Bestandteil eines Moduls oder einer Baugruppe in der Artikelverwaltung sein.

Diese Logik entspricht exakt dem, was man im Engineering mit EPLAN seit langem umständlich und fehleranfällig realisieren musste.

Dass diese Steuerung ursprünglich im Kontext vorkonfektionierter Kabel eingeführt wurde, ist methodisch zweitrangig. Entscheidend ist, dass man nun eine systemkonforme Lösung erhält, um interne Engineering-Artikel sauber zu modellieren.

ACHTUNG: Die neue Eigenschaft „In Stückliste unterdrücken <22886>“ am Artikel ist nicht zu verwechseln mit der bereits lange vorhandenen Eigenschaft „In Stückliste unterdrücken (wenn gefiltert) <20105>“ an der Artikelreferenz im Projekt.

Dummy-Artikel – ein methodisches Altlastthema

Ein Dummy-Artikel in EPLAN ist kein Produkt, sondern ein funktionaler Platzhalter, der für die EPLAN-Plattform wichtig ist, in ERP-Systemen aber nichts verloren hat. Solche Artikel entstehen, wenn ein reales Bauteil aus Sicht der mechanischen oder funktionalen Modellierung mehrere Komponenten besitzen muss, obwohl die Warenwirtschaft nur eine Bestellnummer definiert.

Ein klassisches Beispiel ist der Türkupplungsdrehantrieb:

  • Hersteller liefern ihn als kompletten Bausatz unter einer Bestellnummer.
  • Im Engineering mit EPLAN benötigt man jedoch oft
    • ein Kupplungselement am Schalter,
    • eine Betätigungs- oder Verlängerungskomponente,
    • sowie definierte Funktionsflächen für ProPanel (Ausschnitte, Bohrbilder).

Möchte man in EPLAN ProPanel nicht nur einen einfachen 3D-Solid platzieren, sondern systemgestützte Funktionen wie Bohrbildableitung, Ablänglogik, Platzierungsregeln oder mechanische Kollisionsprüfungen nutzen, braucht man ein strukturiertes Artikelsystem. Der einzelne reale Artikel des Herstellers deckt diese Komplexität nicht ab.

In der Praxis führt das dazu, dass man zusätzliche Artikel anlegen muss – eben Dummy-Artikel –, um die genannten EPLAN-Funktionalitäten im Engineering-Alltag nutzen zu können.

Das traditionelle Problem:

Diese Artikel tauchen automatisch in jeder Artikelauswertung auf und müssen dort bei jeder Artikelreferenz im EPLAN Projekt herausgefiltert werden. Was zunächst einfach klingt und in der Praxis durch ein Häkchen und einen Filter realisiert werden kann, erweist sich im Alltag als sehr fehleranfällig und ist nach unserer Erfahrung bei den meisten Anwendern und Projekten immer wieder durch Konsistenzprobleme geprägt.

Die neue Eigenschaft als methodischer Katalysator

Die Funktion „In Stückliste unterdrücken <22886>“ liefert nun eine standardisierte Möglichkeit, solche internen Artikel sauber zu modellieren:

  1. Ein real bestellbarer Hauptartikel bleibt nach außen sichtbar.
  2. Alle zusätzlichen Funktionskomponenten können als interne Artikel geführt und in der Artikelverwaltung zentral gepflegt werden.
  3. Das gesamte EPLAN-Projekt bleibt strukturiert, systemvalid und jederzeit auswertbar, ohne zusätzliche projektspezifische Eingriffe.

Damit unterstützt EPLAN erstmals eine durchgängige Modellierung, die klar zwischen extern bestellbaren Stücklistenartikeln und internen Engineering-Artikeln unterscheidet.

Die eigentliche Neuerung ist nicht nur eine Checkbox – es ist eine Verschiebung der Modellierungslogik.

Man kann Artikel jetzt als reine „Functional Carriers“ definieren, ohne künstliche Filter, ohne Datenbanktricks und ohne Exportmanipulationen.

Praxisbezug: Mehrwert in realen Projekten

In realen Engineering-Projekten ist die neue Eigenschaft weit mehr als ein Komfortmerkmal. Sie motiviert, beim Aufbau durchgängiger Datenmodelle in EPLAN einen weiteren Schritt zu gehen und dabei sowohl die Sicht der Warenwirtschaft als auch die des Engineerings sauber abzubilden – und damit einen spürbaren Mehrwert im Projektalltag zu erzielen.

Präzisere ProPanel-Modelle

Mit sauberen internen Funktionsartikeln lassen sich z. B.:

  • korrekte Platzierungslogiken,
  • Abhängigkeiten zwischen mechanischen Teilen,
  • Türbearbeitungen,
  • Abläng- und Montageinformationen

modellieren, ohne die Stücklisten zu überfrachten.

Saubere Stücklisten für ERP und Einkauf

Alles, was bestellt wird, bleibt sichtbar. Alles, was funktional notwendig, aber nicht bestellbar ist, bleibt systemintern.

Die Stückliste wird dadurch stabiler und eindeutiger.

Artikeldaten und ECAD-Baukästen werden robuster

iCONTEN setzt im Rahmen seiner Daten- und Baukastenprojekte bereits seit Jahren auf modulare EPLAN-Datamodelle.

Mit der neuen Eigenschaft können:

  • EDS-konforme Artikel im EPLAN Data Portal klar zwischen bestellbaren und nicht-bestellbaren Komponenten unterschieden werden,
  • durch die Kombination mit zwei weiteren neuen Eigenschaften an Baugruppen und Modulen können Komponentenhersteller saubere Artikeldaten auch für komplexe Bauteile liefern, die nach dem Download aus dem Data Portal direkt und ohne weitere Anpassung durch EPLAN-Anwender genutzt werden können,
  • Baukastensysteme sauber modelliert werden.

Weniger Pflegeaufwand für Konstruktionsrichtlinien

Viele Unternehmen mussten bisher eigene Guidelines formulieren („Artikelnummer XYZ.999xxxx ist immer Dummy“, „Filter XY auf Auswertungen anwenden“). Dieser Pflegeaufwand entfällt nun weitgehend beim Management solcher internen Funktionsartikel.

Fazit

Die neue Funktionalität „In Stückliste unterdrücken <22886>“ schließt eine Lücke, die man im ECAD-Engineering seit Jahren kennt: das saubere Trennen von funktionalen, aber nicht bestellbaren Artikeln und realen Materialpositionen.

Gerade im Zusammenspiel mit ProPanel, modularen Artikelsätzen und vorkonfektionierten Kabeln entsteht damit ein deutlich stabileres und klareres Datenmodell in EPLAN.

Der praktische Effekt ist spürbar: weniger Fehler in Auswertungen, weniger projektabhängige Filterlösungen und ein deutlich konsistenterer Umgang mit internen Funktionskomponenten.

Methodisch betrachtet ist dies ein weiterer konsequenter Schritt beim Aufbau eines belastbaren digitalen Zwillings im ECAD-Engineering.

Wenn du dir unsicher bist, wie du die neue Logik in deine bestehenden Datenmodelle einordnen kannst, melde dich gern – wir unterstützen dich beim nächsten Schritt zu einer durchgängigen Digitalisierung im Engineering.